
Die Zeiten für Brenn-Software-Hersteller sind nicht leicht: Mit Freeware-Tools werden inzwischen die meisten Anwendungsfälle rund ums Brennen abgedeckt und All-in-One-Pakete haben auch nicht mehr den besten Ruf.
Mit Nero 10 soll sich das ändern, zudem bekommt der Käufer die Wahl: Entweder, er kauft sich die große Nero Multimedia Suite 10 oder über den Webshop die Einzelkomponenten Nero Burning ROM, Nero Vision Xtra oder Nero BackItUp & Burn. Kleinere Tools wie das beliebte DiscSpeed oder Nero SoundTrax sind nur noch in der Suite enthalten.
Nero Burning ROMBeim Klassiker Burning ROM hat sich an der Oberfläche kaum etwas getan. Burning ROM beherrscht jetzt auch das Brennen von deAVCHD- und BDMV-Ordnern auf DVD bzw. Blu-ray-Disc, im DVD-Video-Bereich kann man aber weiterhin bei Dual-Layer-Discs nicht den Layer-Breakpoint festlegen – hier bleibt die Freeware ImgBurn die bessere Wahl.
Positiv kann sich Nero Burning ROM in erster Linie mit Nero DiscSpan und SecurDisc 2.0 von seinen kostenlosen Mitbewerbern abheben. Mit Ersterem können Sie Daten verteilt über mehrere, unterschiedlich große Medien hinweg brennen. Das Tool zum Zurückspielen funktioniert nur unter Windows, alternativ lassen sich die gesplitteten Files jedoch auch mit jedem beliebigen (Kommandozeilen-)Tool wieder zusammenführen.
SecurDisc 2.0 dagegen funktioniert derzeit nur unter Windows, dafür jetzt aber mit jedem beliebigen Brenner. Man kann damit sowohl Daten verschlüsseln oder signieren, als auch redundant speichern, um sie bei einem Lesefehler eventuell noch retten zu können. Die Freeware DVDisaster mag in Sachen Datenrettung die bessere Lösung sein, da es die Archivierung der Redundanzinformationen auch auf einem anderen Medium erlaubt.

Das Vision-Xtra-Paket enthält zwei Neuankömmlinge: Nero MediaHub ist Medienverwaltung und Universal-Mediaplayer zugleich, während der Videobearbeitungsbereich von Nero Vision neu entwickelt wurde.
Auf den ersten Blick ist Nero MediaHub eine "normale" Medienverwaltung und tritt die Nachfolge von Nero ShowTime an, wobei DTS- und Blu-ray-Wiedergabe erst mit einem kostenpflichtigen Zusatzpaket unterstützt werden. Der Audio-Bereich enttäuscht etwas: Mit LAME kodierte MP3s werden nicht ohne Unterbrechung zwischen den Titeln wiedergegeben, Tags lassen sich nicht bearbeiten. Dafür werden Cover angezeigt.
Wer CDs rippen möchte, kann die Bitrate nicht detailliert eingeben, fortgeschrittene Ripping-Funktionen bei verkratzten Scheiben wie bei Exact Audio Copy gibt es nicht. Ein Rechtsklick offenbart dagegen andere Stärken: Musik, Bilder und Videos lassen sich nicht nur per E-Mail versenden, sondern auch über "Veröffentlichen" auf CD/DVD/Blu-ray brennen oder auf Communities wie "YouTube", "MySpace", "Flickr", "Facebook" sowie das Nero-eigene "My Nero" hochladen.
Auch im Fotobereich ist von "technischeren" Funktionen wie eine EXIF-bzw. IPTC- oder XMP-Bearbeitung nichts zu sehen, dafür gibt es hier für einzelne Dateien einfache Bearbeitungsfunktionen. Das Besondere: Sie können jeden Ihrer Bildbearbeitungsschritte rückgängig machen, auch nach dem Schließen der Anwendung.
Denn die bearbeitete Fassung wird anstelle des Originalbildes gespeichert, das Original findet sich dagegen in Windows 7 mit anderen Daten zusammen versteckt unter AppData/Local/Nero wieder. Leider erlaubt es MediaHub selbst nicht, ein Backup der Datenbank und abhängiger Dateien anzulegen.

Die Auswahl von Bildern und des Kontextmenüpunktes "Diashow erstellen" reicht, um eine Diaschau mit auswählbarem Titel und Ken-Burn-Effekt als jeweilige Überblendung zu erstellen. Wem das Ergebnis nicht gefällt, klickt auf "Erweiterte Bearbeitung" – und findet seine Komposition in Nero Vision 10 wieder.
Nero Vision 10 hat sich zu einer Mehrspur-Videoschnitt-Software gemausert. Für mehr Dynamik und Kreativität sorgt die Möglichkeit, Effektparameter über Keyframes steuern zu können.
Das Ergebnis kann in allen erdenklichen Formaten ausgegeben werden, CUDA-Hardware-Beschleunigung steht allerdings nur bei den Profilen für PSP, PS3 und iPod zur Auswahl, nicht bei AVCHD oder Blu-ray. Dafür beherrscht Nero Vision Smart-Rendering, sodass nur die Szenen neu berechnet werden, bei denen sich der Bildinhalt ändert.
Für eine komplette Neuentwicklung ist die Leistung der Software beachtlich, dennoch gibt es noch einigen Raum für Verbesserungen: Für die Übergänge gibt es keine animierte Vorschau, Tonspuren muss man manuell über eine Fade-in-/Fade-out-Funktion zum Videoübergang anpassen.
Beim Trimmen eines Clips lässt sich nicht die aktuelle Cursor-Position mit einem Klick zum In-bzw. Out-Punkt machen, das Vorschaufenster nicht vergrößern. Und auch die Bedienung in der Timeline könnte intuitiver, die Performance besser sein.

Leider trüben kleinere und größere Bugs in der ersten Version den doch insgesamt positiven Eindruck: Das 2-Pass-Encoding funktionierte nicht, beim Bearbeiten der Tonspur eines Testfiles gab es an den Schnittstellen kleine Tonaussetzer.
Das AVCHD-Ergebnisfile wechselte zwischen H.264-Profil 4.0 und 4.1, wovon allerdings bei der Wiedergabe nichts zu bemerken war. Diese Bugs haben wir Nero mitgeteilt, ein späteres Update sollte sie beheben.
Schwerwiegender dürfte das Deinterlacing-Problem sein: Wird ein Effekt eingefügt, wird aus dem 50i-Bild ein 25p-Bild. Dabei gehen nicht nur Bewegungsinformationen verloren, es tritt auch eine erhebliche Bildunschärfe bei Bewegungen auf, da die Halbbilder einfach per Blend-Deinterlacing ineinander überblendet werden.
Nero BackItUp & BurnNicht nur Nero Vision, auch Nero BackItUp ist erwachsener geworden: Endlich lassen sich auch ganze Partitionen sichern, sowohl auf eine andere Partition, als auch (verteilt) auf optische Medien, ein Netzwerklaufwerk oder einen FTP-Server. Ein spezieller Backup-Bereich, bei dem man z.B. die Maximalgröße einstellen kann, lässt sich nicht anlegen, sondern nur die Maximalanzahl der Backups festlegen.
Auch Profile zum Sichern gängiger Einstellungsdateien gibt es nicht. Dafür kann man BackItUp auch zum Synchronisieren von Daten verwenden. Nicht-Systempartitionen werden beim Backup leider gesperrt, bei der Betriebssystem-Partition wird man gefragt, ob man ohne Sperren fortfahren möchte.
Hier ist es besser, mit der auf Linux-basierenden BackItUp ImageTool Disk zu arbeiten – man darf sich allerdings fragen, warum es keine Möglichkeit gibt, das Tool alternativ auch auf USB-Stick zu installieren.
Die Linux-"Variante" erlaubt "nur" PartitionsBackups, dafür kann man einzelne Files oder Verzeichnisse aus einem Partitions-Backup zurückspielen. Die Brenn-Engine stammt von Nero Linux, ansonsten basiert das System auf einer etwas veralteten BusyBox (v.1.15.2) und Kernel 2.6.31.5 – beides von Oktober 2009.
Wer einzelne Dateien gelöscht oder Probleme mit einem optischen Datenträger hat, kann versuchen, sie auch ohne Backup mithilfe des mitgelieferten Nero RescueAgent zu retten.
FazitMit Nero Vision 10 und BackItUp hat Nero einen großen Schritt nach vorne gemacht. Nero MediaHub ist zu "oberflächlich", Nero Vision 10 wird erst mit den Updates richtig reifen. Nero BackItUp kommt näher an etablierte Tools heran und dürfte als Bestandteil der Suite mehr Anhänger finden als zuvor.
Empfohlener Sehabstand
Betriebssysteme: Windows XP SP3/Vista SP1/7 Platzbedarf: 5 GByte (inkl. Vorlagen und temp. Speicher) Besonderheiten: DiscSpan, SecurDisc 2.0, MediaHub, Vision 10 inkl. SmartRendering und Keyframing, Nero BackItUp inkl. bootfähigem Linux-Backup- und Recovery-Tool Preis: 79,99€
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Empfehlenswert!